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Ein
großes Tor verschließt zunächst
die Zufahrt und lässt nur erahnen, was sich dahinter verbirgt.
Den Code kennen nur die, die auch wirklich etwas auf dem Hof zu suchen
haben. Trotzdem sind Besucher natürlich willkommen und so öffnete
sich auch für Reiter Revue-Redakteurin Caroline Huppertz die
Mülheimer Reitanlage des Tierärzte-Ehepaares Dr. Reiner
Hausmann und Dr. Ursula Mock, die mit dem dritten Platz im Stallwettbewerb
ausgezeichnet wurden.
Dass man als Tierarzt den Pferden zugetan ist,
verwundert nicht. Dass man sich dann aber eine eigene Reitanlage
baut, schon eher. „Mein
Mann hatte den sehr baufälligen Hof mit 20 Hektar Land geerbt“,
erklärt Dr. Ursula Mock „und wir mussten uns eine Nutzung überlegen.“ Ein
rein landwirtschaftlicher Betrieb schied aus, da das Areal direkt
am Mülheimer Naherholungsgebiet liegt.
Was lag näher für das pferdebegeisterte Ehepaar — er
züchtet, sie reitet — als sich eine eigene Reitanlage
zu planen. Doch vom Traum zur Wirklichkeit war es ein langer Weg.
Schon 1990 wurden die ersten Bauanträge gestellt. Wichtig
war dem Ehepaar, dass die Pferde so sicher und artgerecht wie möglich
gehalten werden können. Aber auch der Pferdebesitzer sollte
sich in der Umgebung wohl fühlen. Aus diesen Ideen entstand
ein kleines Juwel, in dem Turnier- aber auch anspruchsvolle Freizeitreiter
zu Hause sind.
Das gesamte Areal ist eingezäunt und kann nur durch ein großes
Tor an der Straße betreten werden. „Dadurch haben wir
die Gewissheit, dass kein Pferd auf die Straße laufen kann,
wenn es von der Weide oder sonst wo ausbrechen würde“,
erklärt die Tierärztin. Und Spaziergänger, die ja
gerne mal ein ungesundes Leckerchen dabei haben, können auch
nicht einfach zu den Pferden gelangen. Die 40 Boxen sind auf zwei
Stallungen verteilt. Mit den Maßen vier mal vier Meter war
man schon in der Planungsphase seiner Zeit voraus. An jede Box
angeschlossen ist ein 32 Quadratmeter großer Paddock, der
den Pferden tagsüber zur Verfügung steht. Auf
Wunsch können auch mehrere Paddocks zusammengelegt werden.
Außerdem kommen alle Pferde während der Saison in Zweiergruppen
auf die Weide, im Winter wird der Springplatz als Auslaufmöglichkeit
genutzt. Jede Stallung hat einen eigenen Waschplatz mit Warmwasser,
dazu gibt es ein Solarium Die Stallgasse ist breit und hell. Jeder
Pferdebesitzer hat direkt neben der Box einen Sattelschrank für
sein Equipement. Der Schrank ragt nach innen in die Box hinein,
jedoch ohne scharfe Kanten. In der unteren Hälfte des Schranks
befindet sich der Misteinwurf.
Praktisches Detail: Die Winterdecken können hinter dem Solarium
zum Trocknen aufgehängt werden. Damit die Anlage sozusagen
aus einem Guss stammt, baute die Hallenbaufirma Römmelt die
Reithalle und die Stallungen, für den Innenausbau war das
Ehepaar selbst verantwortlich.
„Vor ein großes logistisches Problem stellte uns die
Mistentsorgung“, erinnert sich Dr. Mock. „Wir wollten
täglich misten, fanden es aber unpraktisch, immer mit der
Mistkarre in die großen Boxen zu fahren und so entstand die
Idee der automatischen Mistentsorgung.“ Aufklappbare Luken,
wie man sie ab und zu findet, waren den Tierärzten zu verletzungsträchtig.
So kam man auf eine ungewöhnliche, doch praktische Lösung:
In eine Boxenecke wurde ein Schrank integriert. Von vorne steht
er dem Pferdebesitzer als Sattelschrank zur Verfügung, in
der Box ist er durch eine große Tür die Einwurfmöglichkeit
für den Mist, der in einen aus Beton gegossenen Kanal landet.
Ein Kettenlaufband transportiert im Endlossystem den Mist aus dem
Stall. Nach dem Misten wird die Tür mit einem Schnappverschluss
geschlossen. Der Mist wird von dem Kettensystem in einen umgebauten
Metallcontainer gebracht, der nach Ende der Stallreinigung zu einem
weiter entfernten Dungplatz transportiert und abgekippt wird. So
wird vor allem im Sommer die Fliegenbelastung enorm reduziert.
Damit das Sattelzeug im Winter durch die Feuchtigkeit nicht schimmelt,
ist außerdem ein kleiner Heizkörper in jedem Schrank
vorgesehen. „Ein willkommener Nebeneffekt der Schränke
ist die Sichttrennung der Pferde bei der Kraftfutteraufnahme“,
so Dr. Mock. Ruhiges und ungestörtes Fressen senkt das Aggressionsverhalten
erheblich.“ Für Helligkeit im Stall sorgen breite Lichtbänder
im Dachfirst, für frische Luft die Traufen-First Entlüftung.
Zum Rundum Wohlfühl-Service des Tierärzte-Ehepaars gehört
der Weideservice und die Möglichkeit, zwischen bestimmten
Futtersorten zu wählen. Auch die Einstreu ist individuell
bestimmbar.
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