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Dienstag, 28. November 2006
Nebenjob Stallbesitzer · Superstall Deutschlands
Text: Claudia Vüllers


Foto: WAZ, Tim Deffte   
Nebenjob Stallbesitzer

Die Tierärzte Ursula Mock und Rainer Hausmann haben das Hofgut Sachtenhorst vor einigen Jahren neu konzipiert und dafür bei einem bundesweiten Wettbewerb das Prädikat „Superstall“ bekommen

Filou ist zwölf Jahre alt und wohnt in einer WG mit Vollpension. Sein Reich darin ist 48 Quadratmeter groß. 16 innen, dazu 32 Quadratmeter Terrasse. Vorbildlich, befand die Jury des bundesweiten Wettbewerbs „Deutschland sucht den Superstall“.
Und verlieh dem Hofgut Sachtenhorst den ersten Preis in der Kategorie Pensions- und Ausbildungsbetriebe.
Bewerben konnten sich Betriebe mit mehr als fünf Pferden. In der Vorauswahl kam der Betrieb am Nachbarsweg so gut an, dass es im Spätsommer richtig spannend wurde:
Die Jury (zwei Tierärzte, ein qualifizierter Betriebsleiter) kam nach Mülheim, um die Boxen von Wallach Filou und seinen 39 Mitbewohnern, den Zustand der Weiden und Ausläufe, das Futter, die Sauberkeit und die Gesundheit der Pferde genauer unter die Lupe zu nehmen. Volltreffer. Der Mülheimer Stall kann sich jetzt das Attribut „Superstall“ an die Wand heften.

„ Es ist schön, dass unsere Überlegungen für den Bau der Anlage von Fachleuten gewürdigt wurden“, freut sich Ursula Mock, die mit ihrem Mann den Hof der Schwiegereltern nach ihren Vorstellungen umgebaut hat. Hell sollte er sein, der neue Stall, mit viel Frischluft, mit Luken in jeder Boxenwand, durch den der Mist schnell und ohne großen Aufwand auf ein Band geworfen werden kann, das zu einem Container außerhalb des Stalles führt.

Mit ganzjährigem Ausgang für die Pferde auf der Weide oder einem Auslauf, jeweils in Zweiergruppen. Ob für einige Stunden oder den ganzen Tag - ganz wie die Besitzer möchten. „Wir haben uns vorher umgeschaut. Und vieles gesehen, was Pferde krank macht.“ Das wollten die beiden Tierärzte vermeiden. Trotz aller Visionen: Wirtschaftlich muss der Betrieb natürlich dennoch sein.

Filou, der zwölfjährige Wallach, hat ungleiche Nachbarn: den 33-jährigen Torfi und das Fohlen Christobal. Die beiden teilen sich eine Box. Christobal, der Nachwuchs aus eigener Westfalen-Zucht, kann von dem Rentner lernen und hält ihn gleichzeitig fit. „Uns ist wichtig, dass die Pferde viel Kontakt zueinander haben“, erklärt Ursula Mock. „Rechts, links, kreuz und quer.“ Deshalb gibt‘s zwischen den Boxen keine Wände, sondern viel Platz zum Durchschauen und Berühren und die Ausläufe hinter den Boxen treffen sich in der Mitte.

Und damit nicht zu viel Trubel herrscht, kommen nur Pferdebesitzer und Gäste mit einer Zahlenkombination durch das Tor.
Dass Ursula Mock und ihr Mann neben ihrem Job noch ihren Hof führen, sei schon ziemlich stressig. Schon deshalb, weil die Besitzer theoretisch von 5Uhr morgens bis 22 Uhr abends auf dem Gelände herumwuseln könnten. „Aber unsere vier Kinder packen kräftig mit an.“ Und sind wie die Eltern selbst schon längst dem Virus Pferd erlegen.
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