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Das System der Schieberentmistung ist
eigentlich nichts Neues. Ein ähnliches Grundprinzip findet sich noch in manchem
Rinder- und älterem Schweinestall wieder. In Pferdebetrieben
ist diese Technik allerdings selten anzutreffen. Eine Ausnahme bildet
das Hofgut Sachtenhorst im rheinischen Mühlheim an der Ruhr.
Vor gut vier Jahren wurde hier der Grundstein für einen modernen
Pferdebetrieb gelegt. „Damals standen wir vor der Entscheidung,
wie es mit dem elterlichen Hof meines Mannes weiter gehen sollte“,
erzählt Dr. Ursula Mock. Mit knapp 20 ha war der Hof für
eine „normale“ Bewirtschaftung im Vollerwerb zu klein.
Das Ehepaar entschied sich für den „großen Schritt“ und
investierte in die Pferdehaltung. Finanziellen
Rückhalt lieferte dabei die Tierarztpraxis, die Dr. Ursula Mock
und ihr Mann Dr. Reiner Hausmann gemeinsam in Wuppertal betreiben.
Gemistet
wird täglich
„
Uns war klar, dass wir rein flächenmäßig niemals
100 Pferde halten können“, berichtet Dr. Ursula Mock weiter.
Also fiel die Entscheidung, „nur“ für 40 Pferde
zu bauen, aber alles „etwas feiner“ und großzügiger
anzulegen —dafür beträgt der Pensionspreis auch 550 €/Monat.
Bei diesem Betrag ist zu berücksichtigen, dass es bis zum Autobahnkreuz
Breitscheid, also der Schnittstelle von A 3 und A 52, nicht weit
ist und wir folglich zum Einzugsgebiet Düsseldorf, wie auch
Duisburg, Mülheim oder Essen gehören. Dass es sich bei
diesem Preis um keine „normale“ Anlage handelt, erfahren
Besucher zudem bereits bei der Zufahrt zum Hof. Denn diese ist durch
ein Tor versperrt, Gäste müssen erst klingeln, um Einlass
zu erhalten. Die Einsteller verfügen über einen Nummern-Code,
der ihnen den Zugang zur Anlage ermöglicht. „Unser Betrieb
befindet sich im Naherholungsgebiet der Stadt Mülheim. Ohne
Tor und Umgrenzung könnten wir uns vor Spaziergängern und
Neugierigen kaum retten“, erklärt Mock. „So haben
die Einsteller auf der Anlage Ruhe und wir haben unter Kontrolle,
was die Pferde zu fressen bekommen.“
Jedes Pferd verfügt über eine 4 x 4 m große Box mit
Einzelpaddock (4x8m). Gefüttert wird dreimal täglich. Mit
dem Sauberhalten von Paddock und Box haben die Einsteller nichts
zu tun. Jeweils am Morgen werden die Paddocks gekehrt und die Boxen
täglich gemistet. Dafür sind weder Schubkarre noch Frontlader
erforderlich:
Links und rechts der Stallgasse verläuft im Frontbereich der
Boxen ein jeweils ca. 50 cm breiter, unterirdischer Kanal mit Schieberentmistung.
Um nicht täglich zum Misten die Luken zum Kanal öffnen
zu müssen, wurde der Abwurfschacht in einem abgetrennten Bereich
innerhalb der Box versteckt. Das heißt, es muss von der Box
aus eine kleine Tür aufgemacht werden, und schon können
Pferdeäpfel und feuchtes Stroh in den Kanal befördert werden.
Um keinen Platz zu verschenken, befindet sich oberhalb des Abwurfschachtes
ein abschließbarer Sattelschrank für jedes Pferd, der
von der Stallgasse aus zugänglich ist. So befinden sich Sattel,
Trense, Putzkasten und sonstige Utensilien in unmittelbarer Nähe
zur Box. Für die Einsteller bedeutet das kurze Wege. Gleichzeitig
bleibt die 4 m breite Stallgasse frei von Pferdezubehör.
Gut zugänglich
Über die Entmistungsanlage wird der Pferdemist in Behälter
außerhalb des Stalles transportiert. Etwa alle 14 Tage wird
er abgeholt und zu niederländischen Pilzfarmen gebracht. „Dafür
bezahlen wir einen monatlichen Pauschalpreis von 190 €“,
erzählt die Pferdehalterin. Ihren Angaben zufolge funktioniert
das Entmistungssystem weitgehend störungsfrei. „Nur
bei zu viel Heueinmischung muss man aufpassen.“ Das Stroh
bereitet hingegen keine Probleme. Bereits beim Pressen auf dem
Feld werden die Halme durch ein Schneidwerk innerhalb der Strohpresse
auf rund 12 cm Länge geschnitten, von langfaseriger Einstreu
kann keine Rede sein. Sollte es wirklich mal zu einer Störung
des Entmistungssystems kommen, beispielsweise weil eine Kette gerissen
ist, lässt sich das Problem relativ schnell lösen. Denn
die Kanäle sind auf der gesamten Länge mit Betonplatten
abgedeckt, was die Anlage überall gut und schnell zugänglich
macht.
Das Entmistungssystem ist ein arbeitswirtschaftlich interessantes
Detail der Reitanlage. Die Jury in dem bundesweiten Wettbewerb „Unser
Stall soll besser werden“ überzeugte die komplette Anlage,
so dass das Hofgut Sachtenhorst mit dem dritten Preis ausgezeichnet
wurde. Die ersten beiden Preisträger hatten wir bereits in
Folge 42 vorgestellt. bp
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